St. Vinzenz Klinik Pfronten

Hüftgelenksersatz und Metallallergie bei Prothesen

Vortrag EPZ St. Vinzenz informiert

Donnerstag, 06. Februar 2020

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Es ist mittlerweile schon Tradition, dass das EndoProthetikZentrums (EPZ) St. Vinzenz im Februar über die Möglichkeiten des Gelenkersatzes an Knie und Hüfte informiert. Dieses Jahr stand das Hüftgelenk im Fokus des Vortrages von Dr. Johannes Spengler, Chefarzt der Chirurgie und Leiter des EPZ. Ein zweites Thema an diesem Abend war die Metallallergie auf Prothesen, auf das der leitende Oberarzt und Hauptoperateur des EPZ, Dr. Kai Scriba einging.

Ein Gelenkersatz wird dann notwendig, wenn das natürliche Gelenk seine Funktion nicht mehr vollständig erfüllen kann und der Patient hierdurch stark eingeschränkt ist bzw. starke Schmerzen auftreten. Der Gelenkverschleiß (Arthrose) ist der häufigste Grund, warum eine Endoprothese (künstliches Gelenk) eingesetzt werden muss. In Deutschland erhalten über 400.000 Menschen jährlich ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk. Auch in der St. Vinzenz Klinik Pfronten werden jährlich um die 600 Knie- und Hüft-Prothesen eingesetzt, mit steigender Tendenz.

„Bedingt durch den demographischen Wandel wird das Problem des Gelenkverschleißes auch in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen“, so Dr. Spengler. Selbstverständlich versucht man zunächst alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten auszuschöpfen, bevor eine Operation vorgenommen wird. Für den richtigen Zeitpunkt eines operativen Eingriffs spielen viele Faktoren eine Rolle, die individuell mit dem Patienten abgestimmt werden. Nach einer eingehenden Untersuchung (körperliche Untersuchung, Röntgen, Ultraschall und ggf. Kernspin) werden die Patienten über den Gelenkersatz und ggf. alternative Behandlungsmethoden umfassend aufgeklärt.

Dr. Spengler ging auch auf die sogenannten Wechseloperationen ein. Hierbei handelt es sich um den operativen Austausch einer zuvor implantierten Hüftprothese. Dieser Eingriff wird dann notwendig, wenn das künstliche Gelenk Probleme bereitet. Es kann beispielsweise zu einer Lockerung kommen, die durch eine Fehlbelastung oder den Abrieb zwischen den eingesetzten Komponenten der Prothese entsteht. Je nach Befund müssen bei einer Wechseloperation einzelne Komponenten der Prothese oder aber das gesamte künstliche Gelenk ausgetauscht werden.

Die Gelenkchirurgie einschließlich der Endoprothetik ist schon seit langem ein Schwerpunkt der St. Vinzenz Klinik Pfronten. Durch die Zertifizierung zum Endoprothetikzentrum (EPZ) im Jahr 2015 wird der Klinik seither auch von unabhängiger Stelle die hohe Versorgungsqualität unserer Patienten bestätigt und jährlich überprüft. Für die Zertifizierung müssen strenge Kriterien erfüllt werden. Neben der Qualität und Quantität der chirurgischen Eingriffe sowie der Qualifikation der Mitarbeiter ist auch die Kommunikation mit den Patienten sowie den zuweisenden Ärzten entscheidend. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist auch das Einbeziehen der Patienten in den Behandlungsprozess.

In Pfronten führen derzeit fünf Hauptoperateure die Prothesen-Operationen an Hüfte und Knie durch: Dr. Johannes Spengler, Dr. Michael Geyer, Dr. Kai Scriba, Dr. Pavol Pavelka und Roland Stippler. Nur sehr erfahrene Chirurgen, die eine Mindestanzahl an Eingriffen pro Jahr nachweisen können, dürfen in einem EPZ operieren.

Im Anschluss widmete sich Dr. Kai Scriba dem Thema der Allergien bei Prothesen, da diese Problematik immer häufiger von Patienten angesprochen wird. Für die Endoprothetik sind vorwiegend Allergien auf Metalle, d.h. insbesondere auf Nickel, Kobalt und Chrom sowie Bestandteile von Knochenzement sowie Antibiotika von Bedeutung. Es gibt Studien, die eine Zunahme von allergischen Reaktionen auf Metalle verzeichnen. Insbesondere bei Frauen ist die Unverträglichkeit auf Nickel angestiegen, welche evtl. auf das Tragen von Modeschmuck zurückzuführen ist. Im Bereich der Hüftprothesen kommen Prothesen aus Titan zum Einsatz, die kaum Reaktionen hervorrufen. Für Knie-Prothesen ist dieses Material allerdings nicht geeignet, da das Kniegelenk anderen Beanspruchungen ausgesetzt ist. Aber auch hier liegt die Komplikationsrate aufgrund einer Allergie bei unter einem Prozent.

Sollte eine Allergie bekannt sein oder vermutet werden, ist es wichtig, dieses bei der Voruntersuchung dem behandelnden Arzt mitzuteilen. Nur so kann bereits im Vorfeld geklärt werden, ob evtl. zusätzliche Untersuchungen erforderlich sind oder ein spezielles Prothesenmodell eingesetzt werden muss. Viel häufiger liegen andere Gründe für eine Reaktion nach dem Einsatz eines künstlichen Gelenks vor, die für den Patienten zu Problemen führen und mit einer Allergie verwechselt werden. Jeder Fremdkörper bewirkt eine Reaktion vom Körper, die ganz normal ist. Hier spricht man von der sogenannten Entzündungsantwort.

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